Das Messer zum Traum

Kläglich verschmäht vom Literaturwettbewerb „Blaues Blatt“ des Blauen Salons.

Bei Kochutensilien bin ich besonders penibel:
Als ich mit meiner Ausbildung zum Koch fertig war,
konnte ich meine Hände kaum noch bewegen.
Meinem Arzt war der Befund sofort klar;
es hatte an unergonomischen Messern gelegen.
Diese Diagnose war auch mir sehr plausibel.

Ein Wechseln des Metiers kam für mich nie in Frage
und so bereiste ich das ganze Land,
klagte jedem Dorfschmied meine Verzweiflung,
reichte ihm zum Abschied die verhasste Hand
und verblieb auf der vergeblichen Suche nach Heilung,
bis zu jenem schicksalhaften Tage,

an dem ich in einen symbolbeladenen Traum verfiel,
worin mir ein Messer in Originalverpackung erschien,
mir gebot, es „Messias“ zu heißen,
wollte ich es einst an mich ziehen.
Selbstverständlich gelobte ich, dem Gesagten kreuzbrav Folge zu leisten.
Von da an hatte meine Obsession mit Schneidwerkzeug zumindest ein klares Ziel.

Ein früherer Schulfreund von mir war Lobbyist der Rüstungsindustrie,
in seinem Anzug wirkte er wie eine Skulptur aus Blei.
Früher hatte er immer in Chemie herausgeragt,
jetzt kokste er und hatte immer Broschüren dabei.
Damit wäre zu unserer Freundschaft eigentlich alles gesagt.
Durch ihn kam ich zur nächsten Epiphanie.

Zwei Wochen später besuchten wir eine Waffenmesse,
sämtlichen Besuchern hingen überdimensionale Kärtchen vom Hals.
Nach kurzer Zeit begab ich mich in einen Raum abseits des Gewimmels,
vor allem wegen der Redundanz des ausgestellten Materials.
Dort sah ich es dann, jenes Geschenk des Himmels.
Sein Verkäufer war offensichtlich ein Hesse.

Meine Suche hatte endlich einen Sinn.
Gleich nahm ich’s an mich und bezahlte
den stattlichen Betrag, die einzig verbleibende Hürde,
während ich mir unsere gemeinsame Zukunft ausmalte.
Ich bemerkte allerdings hörbar, dass es ein wenig stumpf aussehen würde,
weil ich, von Natur aus, ein nervtötender Rechthaber bin.

Jedenfalls ignorierte der Händler die Kritik,
dagegen sind solche Leute nun mal immun.
Ich verließ den Vorführraum,
denn was ich suchte, das hatte ich nun.
Das Messer zu meinem Traum
als detailgenaue, jedoch ein wenig abgestumpfte Replik.

Für meine Hände und mich war der Kauf von Nutzen.
Mein Leben war nicht mehr das eines Kranken.
Ich gehörte wieder zum regulären Küchenpersonal
und war befreit aus dem Augiasstall meiner Gedanken.
Meinem Chef war diese ganze Sache egal,
ich musste das Gerät nur ordentlich schärfen und putzen.

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